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Zuletzt aktualisiert am 27. Juli 2026 von Selin Alica

RAL-Farben: Standard für Industrie, Architektur, Design und Messebau

RAL-Farben ermöglichen es, Farbtöne eindeutig zu benennen und zwischen Auftraggebern, Planern, Herstellern und Verarbeitern abzustimmen. Besonders verbreitet ist das System bei Lacken, Beschichtungen, Bauteilen, Metall, Kunststoffen, Architektur und industriell gefertigten Produkten.

Im Druck und Messebau dient eine RAL-Farbe dagegen meist als Zielreferenz. Sie ist kein fertiger CMYK-, RGB- oder HEX-Wert und garantiert nicht automatisch, dass ein Farbton auf Metall, Textil, Folie, PVC und beleuchteten Materialien identisch erscheint.

Eine RAL-Nummer schafft eine gemeinsame Farberwartung. Das sichtbare Ergebnis wird zusätzlich durch Material, Oberfläche, Glanzgrad, Produktionsverfahren, Farbprofil und Licht beeinflusst.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • RAL geht auf den 1925 gegründeten Reichsausschuss für Lieferbedingungen zurück.
  • Die erste RAL-Farbsammlung erschien 1927 mit 40 eindeutig bezeichneten Farbtönen.
  • RAL CLASSIC umfasst heute 216 Farben.
  • Das RAL DESIGN SYSTEM plus enthält 1.825 systematisch angeordnete Farben.
  • RAL EFFECT umfasst 420 Unifarben und 70 Metallicfarben.
  • RAL Plastics umfasst 300 physische Kunststoffmuster: 100 P1-Muster aus RAL CLASSIC sowie 160 opake und 40 transparente P2-Muster aus dem RAL DESIGN SYSTEM plus. [3, 5]
  • Im Druck ist eine RAL-Farbe eine Referenz, kein unmittelbar druckbarer Farbwert.
  • Für verbindliche Entscheidungen sind physische Farbmuster und bei kritischen Produktionen ein Proof auf dem Zielmaterial erforderlich.
  • RAL selbst spricht heute überwiegend von mehr als 2.500 definierten Farbtönen. Diese Formulierung ist belastbarer als eine pauschale Gesamtzahl, weil sich die veröffentlichten Angaben zum Gesamtumfang und die Summe der einzeln aufgeführten Systeme nicht vollständig decken. [3]

1. Wofür steht RAL?

RAL steht historisch für Reichsausschuss für Lieferbedingungen. Die Organisation wurde am 23. April 1925 gegründet. Hintergrund war das schnelle Wachstum der industriellen Produktion in der Weimarer Republik: Technische Anforderungen, Qualitätsbedingungen und Produktbezeichnungen sollten vereinheitlicht werden, damit Unternehmen mit klar definierten Vorgaben arbeiten konnten.

1927 folgte die erste Sammlung von 40 Farbtönen, die in Industrie und öffentlichen Anwendungen besonders häufig benötigt wurden. Die Farben erhielten eindeutige Nummern und konnten dadurch ohne den ständigen Austausch individueller Farbmuster bestellt, beschrieben und kontrolliert werden.

Heute sind drei Ebenen zu unterscheiden:

  • RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V. ist die Dachorganisation.
  • RAL gemeinnützige GmbH ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft, in die 2008 unter anderem die Geschäftsbereiche RAL Farben und Umwelt ausgegliedert wurden.
  • RAL Farben entwickelt und verwaltet die Farbsysteme und die dazugehörigen physischen und digitalen Gestaltungswerkzeuge.

Kernaussage: RAL ist keine Farbe, keine Lackmarke und kein Druckverfahren. RAL ist ein System zur eindeutigen Definition und Kommunikation von Farbtönen.

2. Die Geschichte der RAL-Farben

Die Entwicklung von RAL zeigt, wie aus einer kleinen industriellen Farbsammlung ein umfangreiches System für Architektur, Gestaltung und Produktion wurde.

Jahr Entwicklung
1925 Gründung des Reichsausschusses für Lieferbedingungen
1927 Erste RAL-Farbsammlung mit 40 Farbtönen
1993 Einführung des RAL DESIGN SYSTEMS mit zunächst 1.625 Farbtönen
1995 Erste Version von RAL DIGITAL
2007 Einführung von RAL EFFECT
2008 Ausgliederung von RAL Farben und Umwelt in die RAL gGmbH
2018 Erweiterung des RAL DESIGN SYSTEMS um 200 auf 1.825 Farbtöne
2020 Erweiterung von RAL CLASSIC auf 216 Farben
  • Lackierungen und industrielle Beschichtungen
  • Pulverbeschichtete Metallteile
  • Fassaden, Türen, Fenster und Profile
  • Maschinen und technische Anlagen
  • Möbel und Innenausbau
  • Kunststoffteile und Produktdesign
  • Verkehrs- und Sicherheitseinrichtungen
  • Messebau und Ladenbau
  • Werbetechnische Konstruktionen
System Umfang Aufbau Typischer Einsatz
RAL CLASSIC 216 Farben Vierstellige, historisch gewachsene Nummern Industrie, Handwerk, Architektur, Lacke und Beschichtungen
RAL DESIGN SYSTEM plus 1.825 Farben Siebenstelliger, systematischer Code Architektur, Innenraumgestaltung, Produkt- und Farbdesign
RAL EFFECT 420 Uni- + 70 Metallicfarben Farbfamilien mit vierstelligen Codes und Bindestrich Industrie- und Produktdesign, Effektoberflächen
RAL Plastics P1/P2 300 Muster 100 P1-Muster aus RAL CLASSIC; 160 opake und 40 transparente P2-Muster aus RAL DESIGN SYSTEM plus Kunststoffteile, Material- und Produktentwicklung

RAL CLASSIC

RAL CLASSIC ist die bekannteste Sammlung. Die vierstelligen Codes sind historisch gewachsen und lassen sich nicht als mathematisches Farbrezept lesen. Die erste Ziffer bezeichnet eine grobe Farbfamilie: 1xxx Gelb, 2xxx Orange, 3xxx Rot, 4xxx Violett, 5xxx Blau, 6xxx Grün, 7xxx Grau, 8xxx Braun sowie 9xxx Weiß und Schwarz. Diese Einteilung erleichtert die Orientierung. Die verbleibenden Ziffern beschreiben jedoch keine messbaren Anteile oder Mischungsverhältnisse.

RAL DESIGN SYSTEM plus

Das RAL DESIGN SYSTEM plus ist systematisch nach dem CIELab-Farbraum aufgebaut. Seine siebenstelligen Codes beschreiben Buntton, Helligkeit und Buntheit beziehungsweise Chroma. Beim Farbcode RAL 270 30 20 steht 270 für den Buntton, 30 für die Helligkeit und 20 für die Buntheit. Damit lässt sich bereits aus dem Code ableiten, an welcher Position sich eine Farbe im Farbraum befindet.

RAL EFFECT

RAL EFFECT wurde für Industrie- und Produktgestaltung entwickelt. Die Sammlung besteht aus 420 Unifarben und 70 dazugehörigen Metallicfarben. Bei Metallicfarben entsteht der sichtbare Eindruck nicht allein durch den Farbton. Metallische Pigmente, Lichteinfall, Glanzgrad, Betrachtungswinkel und Oberflächenstruktur prägen die Wirkung entscheidend mit. Eine digitale Bildschirmdarstellung oder ein normaler Vierfarbdruck kann diesen Effekt daher nur eingeschränkt wiedergeben.

RAL Plastics

RAL Plastics dient der realistischen Beurteilung von Farben auf Kunststoff. Das Set P1 enthält 100 ausgewählte RAL-CLASSIC-Farben. P2 umfasst 160 Farbtöne des RAL DESIGN SYSTEM plus als opake Muster; 40 dieser Farbtöne sind zusätzlich als transparente Muster verfügbar. Die Musterplatten besitzen unterschiedliche Materialstärken und Oberflächenstrukturen, wodurch sich erkennen lässt, wie stark Transparenz, Eigenfarbe und Struktur des Kunststoffs den Farbeindruck verändern. [3, 5]

5. Wie viele RAL-Farben gibt es?

RAL umfasst nach eigener Angabe insgesamt mehr als 2.500 definierte Farbtöne. Die drei Hauptkollektionen bestehen aus 216 RAL-CLASSIC-Farben, 1.825 Farben des RAL DESIGN SYSTEM plus und 490 RAL-EFFECT-Farben.

Die offizielle FAQ nennt zugleich eine Gesamtzahl von 2.540 Farbtönen; die dort einzeln ausgewiesenen Systemumfänge ergeben rechnerisch 2.531. RAL Plastics wird nicht hinzugerechnet, weil es physische Kunststoffdarstellungen bereits vorhandener CLASSIC- und DESIGN-Farben umfasst. [3]

System Hauptanwendung Technische Bedeutung
RAL Lacke, Beschichtungen, Architektur und Industrie Referenz für reale Oberflächen
Pantone Grafikdesign, Markenfarben und professioneller Druck System definierter Sonder- und Referenzfarben
HKS Professioneller Druck, besonders im deutschsprachigen Raum Sonderfarbensystem für unterschiedliche Bedruckstoffe
CMYK Vierfarbdruck Aufbau eines Druckbildes aus Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz
RGB Bildschirm und digitale Anwendungen Additives Lichtfarbsystem aus Rot, Grün und Blau
HEX Webdesign und digitale Oberflächen Schreibweise für RGB-Farbwerte

7. Warum dieselbe RAL-Farbe unterschiedlich aussehen kann

Eine RAL-Nummer definiert eine Farbreferenz, aber nicht sämtliche Eigenschaften der späteren Oberfläche. Der sichtbare Farbeindruck hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

Material und Untergrund

Metall, Kunststoff, Textil, Papier, PVC und Folie reflektieren Licht unterschiedlich. Auch die Eigenfarbe des Materials beeinflusst das Ergebnis. Ein leicht gelblicher Bedruckstoff verändert beispielsweise helle Grau- oder Weißtöne stärker als ein hochweißer Untergrund.

Glanzgrad und Oberflächenstruktur

Eine hochglänzende Oberfläche reflektiert Licht gerichteter als eine matte Oberfläche. Derselbe Farbton kann dadurch satter, dunkler oder kontrastreicher erscheinen. Raue Textilien streuen Licht anders als glatter Lack.

Druck- oder Beschichtungsverfahren

Lackierung, Pulverbeschichtung, Latexdruck, UV-Druck, Sublimationsdruck und Solventdruck arbeiten mit unterschiedlichen Pigmenten, Tinten und Farbräumen. Nicht jede RAL-Farbe liegt innerhalb des Farbumfangs eines normalen CMYK-Drucksystems.

Licht und Umgebung

Tageslicht, warmes oder kaltes Kunstlicht, Schatten, Reflexionen, angrenzende Farben und Hinterleuchtung verändern die Wahrnehmung. Eine unter Tageslicht abgestimmte Farbe kann in einer Messehalle sichtbar anders wirken.

Alterung und Nutzung

UV-Strahlung, Reinigung, Abrieb und Witterung können Farben langfristig verändern. Bei späteren Nachproduktionen sollte deshalb nicht nur mit dem gealterten Objekt verglichen werden, sondern auch mit der ursprünglichen Referenz und den dokumentierten Produktionsdaten.

RAL weist darauf hin, dass im Vierfarbdruck hergestellte Farbfächer nicht alle RAL-Farben farbecht darstellen können. Originale RAL-Farbvorlagen werden deshalb mit Lacksystemen hergestellt, die auch in industriellen Anwendungen eingesetzt werden. [3]

8. RAL-Farben im Messebau und Großformatdruck

Im Messebau treffen häufig mehrere Produktionsverfahren auf engem Raum zusammen: pulverbeschichtete Aluminiumprofile, lackierte Holzelemente, bedruckte Textilien, Folien, PVC- oder Polyesterbahnen, hinterleuchtete Grafiken, Kunststoffteile, Möbel und Bodenbeläge.

Bei einer großflächigen Messewand oder einem Faltdisplay wirkt eine Farbe aus mehreren Metern Entfernung. Bei einem kompletten Messestand muss sie zusätzlich über verschiedene Materialien und Beleuchtungssituationen hinweg funktionieren. Auch bei Roll-Up Bannern und Messetheken kann ein RAL-Code als Ausgangsreferenz dienen, wenn eine technische Hausfarbe aus Architektur, Maschinenbau oder Produktgestaltung auf eine gedruckte Grafik übertragen werden soll.

Eine konsequent eingesetzte Hausfarbe kann einen Messestand als zusammenhängenden Markenraum erkennbar machen. RAL-Codes erleichtern dabei die Abstimmung lackierter und beschichteter Bauteile mit gedruckten Grafiken. Die RAL-Nummer selbst erzeugt jedoch noch keine Markenwirkung: Entscheidend ist, dass Farbe, Logo, Typografie, Formen und Bildsprache über alle Standflächen hinweg wiederholt und konsistent eingesetzt werden.

Studien zeigen, dass Farbe Markenpersönlichkeit, Vertrautheit und unter bestimmten Bedingungen auch die Kaufabsicht beeinflussen kann. Ein unmittelbarer Mehrverkauf allein durch die Verwendung einer RAL-Farbe lässt sich daraus nicht ableiten. Eine markenkonsistente Gestaltung kann jedoch die Wiedererkennbarkeit verbessern und dazu beitragen, dass Besucher den Messestand schneller dem richtigen Unternehmen zuordnen. [12, 15]

  • Das Metall wirkt glatt und klar definiert.
  • Das Textil erscheint weicher und matter.
  • Die Folie reflektiert stärker.
  • PVC kann den Farbton satter erscheinen lassen.
  • Das Backlit-Material wirkt bei eingeschalteter Beleuchtung heller und brillanter.

9. RAL-Farben für Druckdaten richtig vorbereiten

Für eine belastbare Farbabstimmung zwischen RAL-Referenz und Produktion sind folgende Schritte sinnvoll:

1. RAL-System eindeutig benennen

Nicht nur "RAL 5000" oder "RAL Blau" angeben, sondern klar festhalten, ob RAL CLASSIC, RAL DESIGN SYSTEM plus, RAL EFFECT oder eine Kunststoffreferenz aus RAL Plastics gemeint ist.

2. Verbindliche Referenz bestimmen

Ein Bildschirmbild oder eine beliebige Online-Farbtabelle genügt nicht für eine farbkritische Freigabe. Geeignet sind ein aktuelles Originalfarbmuster, eine verbindliche RAL-Registerkarte, ein freigegebenes Materialmuster oder ein vorhandenes Corporate-Design-Muster.

3. Zielmaterial festlegen

Eine Farbabstimmung ist nur aussagekräftig, wenn bekannt ist, worauf produziert wird: Textil, PVC, Folie, Papier, Metall, Kunststoff oder Backlit-Material. Ein Proof auf Papier sagt nur eingeschränkt voraus, wie dieselbe Farbe auf Textil oder hinterleuchtetem Material wirkt.

4. Betrachtungsbedingungen definieren

Bei wichtigen Hausfarben sollte geklärt werden, unter welchem Licht das Produkt hauptsächlich gesehen wird, ob die Grafik beleuchtet oder hinterleuchtet ist, ob sie innen oder außen eingesetzt wird und aus welcher Entfernung sie betrachtet wird.

5. Farbkonvertierung kontrolliert durchführen

Eine frei zugängliche RAL-zu-CMYK- oder RAL-zu-RGB-Tabelle liefert nur Näherungswerte. Die tatsächliche Umsetzung muss zum konkreten Ausgabegerät, Drucksystem, ICC-Profil und Material passen. ICC-Profile beschreiben die Farbwiedergabe eines Geräts beziehungsweise einer Druckbedingung und ermöglichen die kontrollierte Umrechnung zwischen geräteabhängigen und geräteunabhängigen Farbräumen. [6]

6. Proof oder Andruck freigeben

Bei farbkritischen Projekten sollte ein Muster auf dem tatsächlichen Material erstellt werden. Erst daran lässt sich beurteilen, wie die Farbe unter realistischen Produktionsbedingungen wirkt.

7. Produktionsdaten dokumentieren

Für spätere Nachproduktionen sind mindestens RAL-Ausgangsreferenz, Druckdatei, ICC-Profil, Material, Druckverfahren, freigegebenes Muster, Produktionsdatum und gegebenenfalls vereinbarte Messtoleranzen sinnvoll. [3, 6]

10. Was Forschung über Farbe, Wahrnehmung und Markenwirkung zeigt

Farben beeinflussen Wahrnehmung und Gestaltung. Ihre Wirkung lässt sich jedoch nicht auf einfache Aussagen wie "Rot verkauft" oder "Blau schafft immer Vertrauen" reduzieren.

Farbe beeinflusst die Markenwahrnehmung

Labrecque und Milne untersuchten in vier Studien, wie Farbton, Helligkeit und Sättigung auf Markenpersönlichkeit, Kaufabsicht, Sympathie und Vertrautheit wirken können. Die Ergebnisse zeigen, dass Farbe Markenwahrnehmung beeinflusst, die Wirkung aber von der konkreten Gestaltung und den mit einer Farbe verbundenen Erwartungen abhängt. [12]

Kontrast und Farbkombination bestimmen die Lesbarkeit

Eine Untersuchung von Ko mit 108 Testpersonen verglich verschiedene Farbkombinationen, Kontraststufen, Schriften und Betrachtungszeiten bei Markensymbolen. Unter den getesteten Bedingungen erzielten Gelb auf Schwarz, Gelb auf Blau und Weiß auf Blau besonders hohe Lesbarkeitswerte. Die Ergebnisse dürfen jedoch nicht pauschal auf jede Schriftgröße, jedes Medium und jede Betrachtungssituation übertragen werden. [13]

Farbwirkung hängt vom Kontext ab

Die Color-in-Context-Theorie von Elliot und Maier betont, dass Farben keine überall identische psychologische Bedeutung besitzen. Wirkung entsteht aus einem Zusammenspiel von Situation, gelerntem Bedeutungsgehalt, kulturellem Umfeld und konkreter Aufgabe. [14]

Farbe allein reicht selten als Markenkennzeichen

Ipsos und JKR untersuchten 5.046 Markenelemente von 523 Marken mit mehr als 26.000 Befragten in 25 Ländern. Nur vier Prozent der getesteten Farbelemente erreichten die höchste Kategorie "Gold", in der ein Element eine Marke unmittelbar und eindeutig auch ohne weitere Hinweise erkennen ließ. Das bedeutet nicht, dass Farbe unwichtig ist. Es zeigt vielmehr, wie selten eine Farbe allein bereits eine eindeutige Markenzuordnung erzeugt. [15]

  • Eine Hausfarbe muss konsequent eingesetzt werden, um Wiedererkennung aufzubauen.
  • Farbe sollte mit Logo, Form, Typografie und Bildsprache verbunden werden.
  • Hoher Kontrast und gute Lesbarkeit sind wichtiger als eine vermeintlich allgemeingültige Farbpsychologie.
  • Eine RAL-Nummer verbessert die technische Abstimmung, erzeugt aber allein noch keine starke Marke.
  • Kurze Texte
  • Deutliche Hell-Dunkel-Kontraste
  • Ausreichend große Schrift
  • Keine wichtigen Informationen nur über Farbe
  • Prüfung aus realer Betrachtungsentfernung
  • Langjährige und konsequente Nutzung
  • Eine eindeutige Farbdarstellung
  • Erhebliche Bekanntheit in den relevanten Verkehrskreisen
  • Dokumentierte Werbe- und Marktpräsenz
  • Eine klar definierte Waren- oder Dienstleistungskategorie
  • Ein methodisch belastbarer Nachweis der Verkehrsdurchsetzung

13. Schutzrechte bei RAL-Farbdarstellungen

RAL erklärt in seinen rechtlichen Hinweisen, dass die RAL-Farbsammlungen und das RAL-Farbsystem urheberrechtlich geschützt seien. Darüber hinaus verweist RAL auf Marken-, Design- und wettbewerbsrechtlichen Schutz und verlangt für geschützte Darstellungen sowie vollständige oder teilweise Reproduktionen seiner Produkte eine ausdrückliche Genehmigung. Dies soll nach der veröffentlichten RAL-Position auch für digitale Nutzungen gelten. [7]

Davon zu unterscheiden sind unterschiedliche Nutzungssituationen:

  • Die bloße Benennung eines RAL-Codes
  • Die Bestellung einer Lackierung in einem RAL-Ton
  • Die redaktionelle Erwähnung einzelner Farben
  • Die Abbildung eines originalen RAL-Produkts
  • Die Veröffentlichung einer umfangreichen Farbsammlung
  • Der Vertrieb eigener Farbfächer oder digitaler Farbbibliotheken
  • Keine vollständige eigene Reproduktion der RAL-Farbsammlung ohne geklärte Erlaubnis
  • Keine Darstellung, die wie ein offizieller RAL-Fächer oder ein RAL-Produkt wirkt
  • Näherungswerte eindeutig als unverbindlich kennzeichnen
  • Bei umfangreichen Darstellungen eine Genehmigung von RAL oder rechtliche Prüfung einholen
  • Für verbindliche Farbentscheidungen auf offizielle RAL-Muster und lizenzierte Anwendungen verweisen

Hinweis: Dieser Abschnitt dient der allgemeinen Einordnung und ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall. [7]

14. Entscheidungshilfe: Wann ist RAL das richtige System?

RAL ist besonders sinnvoll, wenn ...

  • Metallteile lackiert oder pulverbeschichtet werden
  • Türen, Fenster, Profile oder Fassadenelemente definiert werden
  • Maschinen oder technische Komponenten eine feste Farbe erhalten
  • Architektur- und Produktfarben abgestimmt werden
  • Ein gedrucktes Element an eine vorhandene Lack- oder Beschichtungsfarbe angenähert werden soll

Pantone oder HKS sind häufig näherliegend, wenn ...

  • Eine Sonderfarbe im klassischen Druck produziert wird
  • Eine Markenfarbe für grafische Anwendungen definiert wird
  • Papier, Karton, Verpackungen oder Geschäftsausstattung im Mittelpunkt stehen
  • Druckerei und Agentur mit etablierten Sonderfarbfächern arbeiten

CMYK ist sinnvoll, wenn ...

  • Bilder, Verläufe und mehrfarbige Motive gedruckt werden
  • Eine wirtschaftliche Vierfarbproduktion benötigt wird
  • Eine exakte Sonderfarbreproduktion nicht erforderlich oder technisch nicht möglich ist

RGB und HEX sind sinnvoll, wenn ...

  • Farben auf Websites, Apps oder Displays dargestellt werden
  • Digitale Gestaltungsrichtlinien definiert werden
  • Keine direkte Druckverbindlichkeit benötigt wird
  • Welches RAL-System ist gemeint?
  • Wie lautet der vollständige Farbcode?
  • Gibt es ein aktuelles Originalmuster?
  • Wird lackiert, beschichtet, foliert oder gedruckt?
  • Auf welchem Material wird produziert?
  • Welchen Glanzgrad besitzt die Referenz?
  • Wird die Farbe auf mehreren Materialien eingesetzt?
  • Wird sie direkt oder hinterleuchtet?
  • Unter welchem Licht wird das Ergebnis beurteilt?
  • Ist die Farbe innerhalb des verwendeten Druckfarbraums erreichbar?
  • Wird ein Proof oder Materialmuster benötigt?
  • Welche Abweichung ist noch akzeptabel?
  • Wie wird die Freigabe dokumentiert?
  • Muss eine spätere Nachproduktion möglich sein?
  • Ist die Farbe markenrechtlich relevant?

16. FAQ – häufige Fragen zu RAL-Farben

Was sind RAL-Farben?

RAL-Farben sind standardisierte Farbreferenzen mit eindeutigen Codes. Sie erleichtern die Kommunikation zwischen Planern, Auftraggebern, Herstellern und Verarbeitern. Besonders häufig werden sie in Industrie, Architektur, Handwerk, Lackierung, Beschichtung und Produktgestaltung eingesetzt. Eine RAL-Nummer bezeichnet jedoch kein bestimmtes Lackprodukt und kein fertiges Druckrezept.

Wofür steht RAL?

RAL steht historisch für Reichsausschuss für Lieferbedingungen. Die Organisation wurde 1925 gegründet, um technische Liefer-, Qualitäts- und Bezeichnungsbedingungen zu vereinheitlichen. Die ersten 40 RAL-Farbtöne wurden 1927 eindeutig definiert und nummeriert.

Wie viele RAL-Farben gibt es?

RAL spricht aktuell von mehr als 2.500 Farbtönen. RAL CLASSIC umfasst 216 Farben, das RAL DESIGN SYSTEM plus 1.825 und RAL EFFECT 490 Farben. RAL Plastics stellt zusätzlich 300 physische Kunststoffmuster bereit: 100 P1-Muster aus RAL CLASSIC sowie 160 opake und 40 transparente P2-Muster aus dem RAL DESIGN SYSTEM plus. Diese Muster sind keine eigenständige Sammlung neuer Farbtöne. [3, 5]

Was ist der Unterschied zwischen RAL CLASSIC und RAL DESIGN SYSTEM plus?

RAL CLASSIC ist eine historisch gewachsene Sammlung von 216 häufig eingesetzten Farbtönen. Das RAL DESIGN SYSTEM plus umfasst 1.825 systematisch nach Buntton, Helligkeit und Buntheit geordnete Farben. Es eignet sich besonders für differenzierte Farbkonzepte in Architektur, Innenraum- und Produktgestaltung.

Ist RAL dasselbe wie CMYK?

Nein. RAL ist ein Farbreferenzsystem für reale Oberflächen. CMYK ist ein Druckverfahren beziehungsweise Prozessfarbsystem. Für eine Druckproduktion muss ein RAL-Zielton in den verfügbaren Druckfarbraum übertragen werden. Nicht jede RAL-Farbe ist mit CMYK exakt erreichbar.

Lassen sich RAL-Farben exakt drucken?

Nicht in jedem Fall. Das Ergebnis hängt von Druckverfahren, Material, Tinte, Farbprofil, Oberfläche und Licht ab. Viele RAL-Farben können gut angenähert werden. Besonders intensive, metallische oder leuchtende Farbtöne liegen jedoch häufig außerhalb des normalen CMYK-Farbraums. Für farbkritische Produktionen ist ein Proof auf dem Originalmaterial zu empfehlen.

Warum sieht derselbe RAL-Ton auf verschiedenen Materialien anders aus?

Materialien besitzen unterschiedliche Eigenfarben, Oberflächen und Reflexionseigenschaften. Glattes Metall, mattes Textil, glänzende Folie und hinterleuchtetes Backlit-Material verändern den Farbeindruck jeweils anders. Hinzu kommen Druckverfahren, Glanzgrad, Beleuchtung und Betrachtungswinkel.

Kann ich eine RAL-Farbe am Monitor auswählen?

Eine Monitordarstellung eignet sich zur Orientierung, ist aber nicht farbverbindlich. Displays unterscheiden sich in Farbraum, Kalibrierung, Helligkeit und Kontrast. Für eine verbindliche Auswahl sollten physische Originalmuster oder freigegebene Materialproofs verwendet werden.

Kann eine Unternehmensfarbe rechtlich geschützt werden?

Grundsätzlich ja. Das Markengesetz lässt auch Farben und Farbzusammenstellungen als Marken zu. Die Hürden für eine abstrakte Farbmarke sind jedoch hoch. Das Unternehmen muss typischerweise nachweisen, dass ein erheblicher Teil der relevanten Verkehrskreise die Farbe als Herkunftshinweis versteht. Eine RAL-Nummer kann die Farbe technisch definieren, begründet aber allein noch keinen Schutz.

Darf eine RAL-Farbtabelle auf einer Website veröffentlicht werden?

Bei umfangreichen Darstellungen ist Vorsicht geboten. RAL betrachtet seine Farbsammlungen, Farbsysteme und Produktdarstellungen als rechtlich geschützt und verlangt für Reproduktionen eine Genehmigung. Ob eine konkrete Tabelle mit unabhängig ermittelten Näherungswerten zulässig ist, hängt von ihrer Ausgestaltung ab und sollte bei Zweifeln direkt mit RAL oder rechtlich geklärt werden.

Was sollte ich einer Druckerei zusätzlich zum RAL-Code liefern?

Für farbkritische Projekte sind ein physisches Originalmuster, Angaben zum RAL-System, zum Zielmaterial, zur Beleuchtung und zum gewünschten Glanzgrad sinnvoll. Außerdem sollte geklärt werden, ob ein Materialproof benötigt wird und welche sichtbaren oder messtechnischen Abweichungen akzeptiert werden.

  • Eindeutiger Farbreferenz
  • Geeignetem Material
  • Kontrolliertem Farbmanagement
  • Realistischen Lichtbedingungen
  • Proof oder Muster
  • Dokumentierter Freigabe

Quellenangabe:

1. RAL Deutsches Institut: Geschichte und Entwicklung von RAL; RAL legt Farbtöne eindeutig fest; Neue Geschäftsform für RAL Farben und Umweltzeichen
2. RAL Farben: Historie der Farbsysteme
3. RAL Farben: FAQ zu Systemen, Codes, Farbfächern und Kunststoffmustern
4. RAL Farben: RAL DESIGN SYSTEM plus
5. RAL Farben: RAL P1 + P2 Kunststofffarbmuster Set
6. International Color Consortium: Introduction to the ICC profile format; Frequently asked questions about colour management
7. RAL Farben: Rechtliche Hinweise
8. Bundesministerium der Justiz: Markengesetz § 3 – als Marke schutzfähige Zeichen
9. Bundesgerichtshof: Urteil vom 04.09.2003 – I ZR 44/01, Farbmarkenverletzung II
10. Bundesgerichtshof: Beschluss vom 09.07.2015 – I ZB 65/13, Nivea-Blau
11. Bundespatentgericht: Beschluss vom 18.10.2019 – 27 W (pat) 1/17
12. Labrecque, L. I. & Milne, G. R. (2012): Exciting Red and Competent Blue. Journal of the Academy of Marketing Science 40, 711-727.
13. Ko, Y.-H. (2017): The effects of luminance contrast, colour combinations, font, and search time on brand icon legibility. Applied Ergonomics 65, 33-40.
14. Elliot, A. J. & Maier, M. A. (2014): Color Psychology. Annual Review of Psychology 65, 95-120.
15. Ipsos/JKR: Be Distinctive. Everywhere.
16. W3C: Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2; Understanding Success Criterion 1.4.1: Use of Color

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