Zuletzt aktualisiert am 27. Juli 2026 von Selin Alica
HKS-Farben: Sonderfarben, HKS 3000+, CMYK und Markenwirkung
HKS ist ein standardisiertes Sonderfarbensystem für die grafische Industrie. Es hilft Unternehmen, Agenturen und Druckereien dabei, Farbtöne eindeutig zu benennen und unter festgelegten Produktionsbedingungen möglichst konsistent wiederzugeben.
HKS Classic umfasst 88 Basisfarben. Das erweiterte System HKS 3000+ ergänzt jede dieser Basisfarben um 39 Nuancen. Zusammen mit dem jeweiligen Grundton entstehen 3.520 Volltonfarben, die getrennt für gestrichenes Papier und Naturpapier dargestellt werden.
Im Offsetdruck kann eine HKS-Farbe als separate Sonderfarbe eingesetzt werden. Im CMYK-, Digital-, Textil- und Großformatdruck dient die HKS-Nummer dagegen häufig als Zielreferenz, die innerhalb der verfügbaren Druckbedingungen möglichst genau angenähert wird.
Der Nutzen des Systems liegt nicht darin, dass HKS-Farben automatisch auffälliger wirken oder mehr verkaufen. HKS kann vielmehr dazu beitragen, Farbvorgaben eindeutiger zu kommunizieren, Markenfarben konsistenter einzusetzen, Abstimmungsschleifen zu verkürzen, vermeidbare Fehldrucke zu reduzieren und Nachauflagen besser miteinander zu vergleichen.
Forschung zur Farbwirkung zeigt, dass Farbe Markenpersönlichkeit, Vertrautheit, Sympathie und unter bestimmten Bedingungen auch Kaufabsicht beeinflussen kann. Sie belegt jedoch nicht, dass gerade der Einsatz des HKS-Systems mehr Aufmerksamkeit oder Umsatz erzeugt. Farbe kann Markenwahrnehmung beeinflussen. HKS ist das technische Werkzeug, mit dem eine gewählte Druckfarbe eindeutiger kommuniziert und kontrollierter produziert werden kann.
1. Was sind HKS-Farben?
HKS ist ein System für definierte Vollton- beziehungsweise Sonderfarben. Bei einer echten HKS-Sonderfarbenproduktion wird der gewünschte Farbton nicht erst durch Rasterpunkte aus Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz erzeugt. Stattdessen wird eine separat hergestellte oder nach festgelegter Rezeptur angemischte Druckfarbe in einem eigenen Druckwerk aufgetragen.
Sonderfarbe, CMYK und Digitaldruck im Vergleich
| Produktionsart | Wie entsteht der Farbton? | Bedeutung der HKS-Vorgabe |
|---|---|---|
| HKS-Sonderfarbendruck | Separate Volltonfarbe in einem eigenen Druckwerk | direkte Farbreferenz |
| CMYK-Offsetdruck | Rasterpunkte aus Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz | prozessbezogene Annäherung |
| Digitaldruck | Wiedergabe mit dem verfügbaren Tintensatz | maschinen- und materialabhängige Zielreferenz |
| Bildschirm | Darstellung durch selbstleuchtende RGB-Pixel | farbmanagementabhängige RGB- beziehungsweise HEX-Annäherung |
Der HKS-Warenzeichenverband bietet sowohl physische Sonderfarbenreferenzen als auch CMYK-Separationen an. Das aktuelle HKS-Set Klassik dokumentiert die 88 HKS-Töne als Sonderfarben und als Vierfarbseparation. Die CMYK-Darstellungen gelten für festgelegte Papier- und Offsetbedingungen; sie sind nicht mit der ursprünglichen Sonderfarbe identisch.
HKS schafft damit eine gemeinsame Kommunikationsgrundlage zwischen:
- Markenverantwortlichen
- Agenturen
- Mediengestaltung
- Druckvorstufe
- Druckereien
- Weiterverarbeitung
- Auftraggebern
2. Geschichte und Unternehmen hinter HKS
HKS wurde nicht von einem einzelnen Hersteller entwickelt. Der HKS-Warenzeichenverband entstand aus der Zusammenarbeit von Hostmann-Steinberg Druckfarben, Kast + Ehinger Druckfarben und H. Schmincke & Co. Aus den Anfangsbuchstaben der drei Firmennamen entstand die Bezeichnung HKS. Der Warenzeichenverband beschreibt diese drei Unternehmen ausdrücklich als seine Gründer. Der HKS-Warenzeichenverband definiert HKS-Farben seit 1968.
Hostmann-Steinberg
Das „H” steht für Hostmann-Steinberg. Der HKS-Warenzeichenverband ordnet das Unternehmen der hubergroup Deutschland zu. Bei der Geschichte muss zwischen den verschiedenen Unternehmenswurzeln unterschieden werden: Die hubergroup führt ihre allgemeinen Unternehmenswurzeln auf das Jahr 1765 zurück, eine offizielle Unternehmenspräsentation weist den Produktionsstandort Celle mit dem Gründungsjahr 1817 aus. Beide Angaben beziehen sich auf unterschiedliche Ebenen der Unternehmensgeschichte und dürfen nicht automatisch als Gründungsjahr eines Unternehmens unter dem späteren Namen Hostmann-Steinberg verstanden werden.
Kast + Ehinger
Kast + Ehinger wurde 1865 als Druckfarbenfabrik gegründet. Das Unternehmen wurde 1970 von BASF übernommen und 2005 mit der amerikanischen Flint Ink Company verbunden. Die Marke K+E wird innerhalb der heutigen Flint-Struktur fortgeführt.
H. Schmincke & Co.
H. Schmincke & Co. wurde 1881 von den Farbenchemikern Hermann Schmincke und Josef Horadam gegründet. Das Unternehmen produziert bis heute Künstlerfarben und hat seinen Sitz in Erkrath.
Der historische Hintergrund erklärt, warum HKS mehr als eine unternehmensinterne Farbkarte war: Mehrere Farbenhersteller verständigten sich auf ein gemeinsames System, das die Zusammenarbeit zwischen Farbherstellung, Gestaltung und Druckproduktion erleichtern sollte.
3. HKS Classic und HKS 3000+
HKS Classic: 88 Basisfarben
HKS Classic bildet den Kern des Systems. Die aktuellen klassischen K- und N-Fächer dokumentieren jeweils 88 Basisfarben. Das HKS-Set Klassik nennt zusätzlich zwei Metallicfarben. Die Nummerierung ist nicht fortlaufend; Lücken zwischen einzelnen Farbnummern bedeuten daher nicht, dass im Fächer Farben fehlen.
Eine Angabe wie „HKS 14″ ist allerdings noch nicht vollständig. Für eine belastbare Farberwartung sollte zusätzlich die Papierklasse genannt werden, beispielsweise HKS 14 K oder HKS 14 N.
HKS 3000+: 3.520 Volltonfarben
HKS 3000+ erweitert die klassischen Basisfarben. Zu jedem der 88 Grundtöne wurden 39 weitere Nuancen entwickelt. Zusammen mit dem jeweiligen Grundton ergeben sich 40 Varianten: 88 Basisfarben × 40 Varianten = 3.520 Volltonfarben. Die Farbtöne werden in zwei bedruckstoffbezogenen Ausführungen angeboten: HKS 3000+ K für gestrichenes Papier und HKS 3000+ N für Naturpapier. Beide Fächer enthalten zusammen 7.040 gedruckte Farbfelder, aber nicht 7.040 unabhängig nummerierte Farbtöne.
Wann genügt HKS Classic?
HKS Classic ist meist ausreichend, wenn:
- eine bestehende Hausfarbe fortgeführt wird
- einer der 88 Basisfarbtöne passt
- eine bekannte und einfach kommunizierbare Farbreferenz benötigt wird
- Lieferanten und Druckereien bereits mit der klassischen Nummer arbeiten
Wann ist HKS 3000+ sinnvoll?
Das erweiterte System bietet Vorteile, wenn:
- eine neue Markenfarbe genauer abgestimmt werden soll
- ein klassischer Farbton zu hell, dunkel, warm oder kühl erscheint
- mehrere verwandte Nuancen für Produktlinien benötigt werden
- feinere Abstufungen Teil des Corporate Designs sind
4. HKS K und N
Die Buchstaben K und N bezeichnen keine Farbfamilien, sondern unterschiedliche Bedruckstoffgruppen:
| Kennzeichnung | Bedeutung |
|---|---|
| HKS K | gestrichenes Kunst- beziehungsweise Bilderdruckpapier |
| HKS N | ungestrichenes Naturpapier |
Im aktuell sichtbaren offiziellen HKS-Produktsortiment stehen insbesondere K und N im Mittelpunkt. Angeboten werden unter anderem klassische K- und N-Fächer, HKS 3000+ K und N sowie Farbtafeln für beide Papierarten.
Die Kennzeichnungen K und N stehen nicht für „Klassik” oder „Neon”. In den ausgewerteten aktuellen offiziellen HKS-Produktdarstellungen werden keine eigenständigen Farbgruppen mit den Kennzeichnungen P oder X ausgewiesen. Das HKS Set Klassik führt zwei Metallicfarben, jedoch keine Farbgruppe „HKS M”.
5. Warum Papier die Farbwirkung verändert
Eine Farbnummer allein bestimmt nicht den sichtbaren Farbeindruck. Druckfarbe, Papier, Oberfläche, Verarbeitung und Beleuchtung wirken zusammen. Wichtige Einflussfaktoren sind Papierweiß, Oberflächenstruktur, Saugfähigkeit, Glanzgrad, optische Aufheller, Farbauftrag, Trocknung, Lackierung und Kaschierung.
Auf gestrichenem Papier bleibt mehr Druckfarbe an der Oberfläche. Der Farbton wirkt häufig gesättigter, glatter und kontrastreicher. Naturpapier nimmt einen größeren Anteil der Farbe in die Oberfläche auf. Der gleiche Zielton kann dadurch matter, weniger gesättigt oder dunkler erscheinen.
Der HKS-Warenzeichenverband weist darauf hin, dass ein Wechsel des Referenzpapiers bei einzelnen Farbtönen zu sichtbaren Unterschieden gegenüber älteren Fächerausgaben führen kann, obwohl die ursprünglichen Farbrezepturen nicht verändert wurden. Für Farbauswahl und Druckabstimmung empfiehlt der Verband daher eine aktuelle Fächerausgabe.
Unvollständige Farbangabe
„Bitte in HKS 14 drucken.”
Präzisere Farbangabe
„HKS 14 K nach aktueller Fächerausgabe, als Sonderfarbe auf dem vereinbarten gestrichenen Papier.” Zusätzlich können festgelegt werden: konkrete Papiersorte, Druckverfahren, Veredelung, Referenzmuster, zulässige Farbtoleranz.
6. HKS-Sonderfarbe oder CMYK?
Eine echte HKS-Sonderfarbe und eine CMYK-Simulation können ähnlich erscheinen. Technisch sind sie dennoch verschieden.
Echte HKS-Sonderfarbe
Die Farbe wird als separate Volltonfarbe in einem eigenen Druckwerk eingesetzt.
Mögliche Vorteile:
- ruhige und geschlossene Farbflächen
- kein klassischer CMYK-Rasteraufbau
- definierte Hausfarbe bei kontrollierter Produktion
- möglicherweise größerer Farbraum als bei reinem CMYK
- geringere Abhängigkeit von der Balance mehrerer Prozessfarben
Mögliche Nachteile:
- zusätzliches Farbwerk
- weitere Druckplatte
- Rüst- und Reinigungskosten
- mögliche Restfarben
- bei kleinen Auflagen häufig höhere Stückkosten
CMYK-Annäherung
Beim CMYK-Druck wird der Farbeindruck aus Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz aufgebaut. Die offiziellen HKS-Farbtafeln gelten für definierte Offsetbedingungen: HKS K für Prozess Standard Offset nach ISO 12647-2, Papiertyp 1/2, HKS N für Prozess Standard Offset nach ISO 12647-2, Papiertyp 4. Diese Werte sind keine universellen Rezepte für jede Druckmaschine und jedes Material. Die gleiche CMYK-Kombination kann auf einem anderen Papier, mit einem anderen Profil oder in einem Digitaldrucksystem sichtbar abweichen.
Eine Sonderfarbe ist besonders sinnvoll, wenn:
- die Farbe ein zentrales Markenelement ist
- der Zielton in CMYK deutlich abweicht
- große gleichmäßige Volltonflächen benötigt werden
- wiederkehrende Auflagen geplant sind
- ein zusätzliches Farbwerk zur Verfügung steht
CMYK kann wirtschaftlicher sein, wenn:
- das Motiv viele Fotografien und Farbverläufe enthält
- nur eine kleine Auflage benötigt wird
- eine gute Annäherung genügt
- der Zielfarbton innerhalb des vorhandenen Farbraums erreichbar ist
Weitere Grundlagen bietet der Ratgeber zum Offsetdruck.
7. HKS im Digital-, Textil- und Großformatdruck
Im Digitaldruck wird eine HKS-Farbe meist nicht als separat angemischte Sonderfarbe eingesetzt. Die HKS-Nummer dient als Zielreferenz. Das Drucksystem versucht, die Vorgabe mit dem verfügbaren Tintensatz möglichst gut wiederzugeben. Das sichtbare Ergebnis hängt unter anderem ab von Druckmaschine, Tinten, RIP-Software, ICC-Profil, Materialweiß, Oberflächenstruktur, Druckmodus, Trocknung und Beleuchtung.
Ein ICC-Profil beschreibt eine konkrete Kombination aus Drucksystem, Tinten, Einstellungen und Material. Wird eine dieser Bedingungen geändert, kann ein anderes Profil erforderlich sein.
Zu absolut
„Wir drucken Ihr Display exakt in HKS 14.” Diese Aussage ist im digitalen Großformatdruck meist zu absolut.
Sachlich präziser
„HKS 14 dient als Zielreferenz. Auf dem gewählten Material ermitteln wir die bestmögliche Annäherung. Bei markenkritischen Anwendungen empfehlen wir einen Materialproof.”
Das gilt ebenso für Roll-Ups, Werbebanner und Bauzaunbanner: Materialweiß, Oberflächenstruktur und Druckprofil beeinflussen, wie nah der sichtbare Farbton an der HKS-Referenz liegt.
HKS auf Textilien
Textile Materialien verändern den Farbeindruck zusätzlich durch Faser- und Gewebestruktur, Materialweiß, Sublimations- oder UV-Druck, Beschichtung, Lichtdurchlässigkeit und die Spannung des Stoffes.
Die Fogra untersuchte im Forschungsprojekt TextileRGB 13.006 die Farbkommunikation im digitalen Textildruck. Das Projekt entwickelte unter anderem einen RGB-Arbeitsfarbraum, eine Testform sowie Werkzeuge für Prozesskontrolle und Qualitätssicherung. Ausgangspunkt war, dass herkömmliche digitale Farbräume und textile Produktionsbedingungen häufig nicht ausreichend aufeinander abgestimmt sind.
Für farbkritische Messewände und Faltdisplays sollte der Zielton deshalb auf dem tatsächlichen Material geprüft werden.
HKS bei hinterleuchteten Grafiken
Bei Backlit- und LED-Grafiken beeinflussen zusätzlich Farbtemperatur der LEDs, Lichtleistung, Transmissionsgrad des Textils, Druckdichte, Rückseitendruck und Umgebungslicht. Ein Farbton kann unbeleuchtet passend erscheinen und bei eingeschalteter Beleuchtung zu hell, kühl oder weniger gesättigt wirken. Für markenkritische Anwendungen sollte die Freigabe daher möglichst auf dem später eingesetzten Material und am eingeschalteten System erfolgen.
8. RGB, HEX, Pantone und RAL richtig einordnen
Aus diesem Grund enthält dieser Beitrag bewusst keine Tabelle, in der HKS-, CMYK-, RGB-, HEX-, Pantone- und RAL-Werte scheinbar exakt gleichgesetzt werden.
Gibt es einen verbindlichen HKS-HEX-Wert?
Nein. Für eine HKS-Druckfarbe existiert kein universeller RGB- oder HEX-Wert. Eine digitale Übersetzung hängt unter anderem ab von verwendetem RGB-Farbraum, Weißpunkt, Monitorprofil, Kalibrierung, zugrunde gelegter Fächerausgabe und Umrechnungsmethode. Ein HEX-Code ist lediglich eine Schreibweise für einen RGB-Wert und keine druckverbindliche Kopie einer physischen Sonderfarbe.
Gibt es einen universellen HKS-CMYK-Wert?
Ebenfalls nein. Die offiziellen HKS-Separationen gelten für die jeweils angegebenen Papier- und Offsetbedingungen. Ein ungeprüfter Transfer auf Folie, Textil oder ein anderes Druckprofil kann sichtbar abweichen.
HKS, Pantone und RAL im Vergleich
| System | Typischer Schwerpunkt |
|---|---|
| HKS | Sonderfarben und Druckanwendungen, besonders im deutschsprachigen Raum |
| Pantone Graphics | international verbreitete Spotfarben für Grafik und Verpackung |
| RAL | Lacke, Beschichtungen, Architektur und industrielle Anwendungen |
| CMYK | Prozessfarbdruck |
| RGB und HEX | Bildschirm- und Digitalanwendungen |
Konkordanztabellen können einen Ausgangspunkt für die Auswahl eines Vergleichsmusters liefern. Sie ersetzen jedoch keine physische Prüfung auf dem vorgesehenen Material.
Weiterführende Einordnungen bieten die Ratgeber zu Pantone-Farben und RAL-Farben.
9. Farbfächer, Proof und Farbmessung
Warum aktuelle Farbfächer wichtig sind
Gedruckte Farbfächer können sich verändern durch Licht, Wärme, Feuchtigkeit, Abrieb, Berührung, Verschmutzung und Papieralterung. Hinzu kommt, dass neuere Editionen auf einem anderen Referenzpapier gedruckt sein können. HKS empfiehlt deshalb, bei Farbauswahl und Druckabstimmung mit einer aktuellen Fächerausgabe zu arbeiten. Ein Farbfächer sollte dunkel und trocken gelagert, möglichst wenig berührt, bei sichtbarer Alterung ersetzt und mit Ausgabejahr dokumentiert werden.
Proof auf dem Zielmaterial
Ein Papierproof kann den Farbeindruck auf Textil, Folie, Kunststoff oder einer hinterleuchteten Grafik nur eingeschränkt darstellen. Ein Materialproof ist besonders sinnvoll bei großen Markenflächen, Textildrucken, Backlit-Grafiken, stark strukturierten Materialien sowie Farben am Rand oder außerhalb des verfügbaren Farbraums.
Farbmessung
Spektralfotometer ermöglichen eine standardisierte messtechnische Beschreibung und einen Vergleich zwischen Referenz und Produktion unter definierten Messbedingungen. Ein kleiner gemessener Farbabstand bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Abweichung unter allen Bedingungen unsichtbar ist. Wahrnehmung wird zusätzlich beeinflusst durch Glanz, Oberflächenstruktur, Flächengröße, Beleuchtung, Nachbarfarben und Betrachtungsabstand. Messung und visuelle Freigabe ergänzen sich daher.
10. Beständigkeit und nicht belegte Farbgruppen
Eine HKS-Nummer definiert zunächst den Zielton. Sie garantiert keine bestimmte technische Beständigkeit. Licht-, Wetter-, Wasser-, Reibungs- und Chemikalienbeständigkeit hängen ab von Pigment, Bindemittel, konkreter Farbserie, Druckverfahren, Bedruckstoff, Lack oder Laminat sowie UV- und Feuchtigkeitsbelastung. Für Außenwerbung, Verpackungen oder stark beanspruchte Druckprodukte müssen deshalb die technischen Daten der tatsächlich eingesetzten Farbe und Weiterverarbeitung geprüft werden.
Sind Neon, Pastell und „Eastern Colors
In den ausgewerteten aktuellen offiziellen HKS-Produktdarstellungen werden keine eigenständigen HKS-Farbgruppen mit den Bezeichnungen Neon, Pastell oder „Eastern Colors” ausgewiesen. Das HKS Set Klassik führt neben 88 klassischen HKS-Tönen zwei Metallicfarben, jedoch keine eigenständige Farbgruppe „HKS M”. Spezielle Effektfarben können als separate Druckfarbenprodukte existieren, sollten ohne belastbare Primärquelle aber nicht als reguläre HKS-Farbgruppe bezeichnet werden.
11. HKS, Markenbildung und Wiedererkennung
Es gibt keine belastbare Untersuchung, nach der gerade der Einsatz des HKS-Systems eine Marke bekannter macht oder den Umsatz erhöht. Untersucht wurde jedoch, wie Farbe als visuelles Markenelement auf Markenpersönlichkeit, Wahrnehmung und Kaufabsicht wirken kann.
Farbe kann Markenpersönlichkeit mitprägen
Labrecque und Milne untersuchten in vier Studien den Einfluss von Farbton, Sättigung und Helligkeit auf die Wahrnehmung von Marken, unter anderem die Zuordnung zu Dimensionen der Markenpersönlichkeit, die Verstärkung bestimmter Markeneigenschaften, die Veränderung von Markenwahrnehmung und Kaufabsicht sowie den Einfluss auf Sympathie und Vertrautheit. Daraus folgt keine allgemeine Regel wie „Blau erzeugt immer Vertrauen” oder „Rot steigert immer den Verkauf”. Die Wirkung hängt von Produkt, Positionierung, Gestaltung, kulturellem Kontext und Zielgruppe ab.
Wie unverwechselbar sind Markenfarben?
Ipsos und Jones Knowles Ritchie untersuchten fünf Arten von Markenelementen mit mehr als 26.000 Befragten. Nur 15 Prozent aller getesteten Elemente erreichten den höchsten Distinktionsgrad. Bei Farbelementen waren es vier Prozent, bei Logos 19 Prozent, bei Maskottchen 16 Prozent und bei Produkten 31 Prozent. Eine Markenfarbe wirkt deshalb meist zusammen mit Logo, Typografie, Formen, Bildsprache, Produktgestaltung und konsequenter Wiederholung. HKS kann diesen Prozess technisch unterstützen, indem eine festgelegte Druckfarbe eindeutig bezeichnet und unter vergleichbaren Bedingungen wiederholt eingesetzt wird.
Was HKS unterstützen kann
- eindeutige Farbkommunikation
- konsistentere Druckauflagen
- nachvollziehbare Lieferantenvorgaben
- klarere Freigabeprozesse
- geringeres Risiko von Missverständnissen
Was HKS nicht garantiert
- höhere Verkaufszahlen
- automatische Markenbekanntheit
- identische Farbe auf jedem Material
- gute Lesbarkeit ohne ausreichenden Kontrast
- unverwechselbare Markenwirkung ohne konsequente Nutzung
12. Erfahrungen aus der Produktionspraxis
Die folgenden Beobachtungen stammen aus der Großformatdruck- und Messegrafikpraxis von displayhersteller. Sie sind keine wissenschaftliche Untersuchung, beschreiben aber typische Ursachen sichtbarer Farbabweichungen.
Große Flächen machen Unterschiede deutlicher
Eine kleine Abweichung fällt in einem kompakten Logo möglicherweise kaum auf. Auf einer mehrere Quadratmeter großen Messewand wird sie wesentlich deutlicher wahrgenommen.
Textil wirkt anders als glatte Folie
Gewebe streut Licht und besitzt eine sichtbare Struktur. Derselbe Zielfarbton kann auf Textil weicher und auf einer glatten Folie kräftiger oder glänzender erscheinen.
Hinterleuchtung verändert die Farbbalance
Backlit-Grafiken wirken bei eingeschalteter Beleuchtung häufig heller. Dunkle Flächen können an Dichte verlieren, während helle Farbtöne stärker leuchten.
Lack und Laminat verändern den Farbeindruck
Glänzende Oberflächen erhöhen Reflexionen und Kontraste. Matte Veredelungen streuen Licht und können Farben ruhiger oder weniger gesättigt erscheinen lassen.
Dieselbe Datei ist kein identisches Produktionsrezept
Identische CMYK-Werte führen auf unterschiedlichen Maschinen, Materialien und Profilen nicht automatisch zum gleichen sichtbaren Ergebnis.
Bei vollständigen Messestand-Sets treffen häufig Textildruck, Plattendruck, Folie, Lack und Beleuchtung aufeinander. Das realistische Ziel ist ein visuell zusammengehöriger Markenauftritt – nicht die mathematische Identität sämtlicher Farbwerte.
13. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
Eine echte Sonderfarbe verursacht zusätzliche Produktionskosten. Ein klar definierter Farbworkflow kann zugleich Kosten reduzieren durch weniger Missverständnisse, weniger Korrekturschleifen, geringeres Fehldruckrisiko, schnellere Freigaben, bessere Vergleichbarkeit von Nachauflagen und weniger Reklamationen.
Eine HKS-Sonderfarbe kann besonders wirtschaftlich sein bei:
- wiederkehrenden Auflagen
- markenkritischen Hausfarben
- großen Volltonflächen
- Farben, die in CMYK sichtbar abweichen
CMYK oder Digitaldruck können wirtschaftlicher sein bei:
- kleinen Auflagen
- fotografischen Motiven
- kurzfristigen Kampagnen
- einmaligen Produktionen
- gut erreichbaren Zielfarben
Die Entscheidung sollte deshalb nicht allein den Preis der Druckfarbe betrachten. Relevant sind auch Rüstkosten, Korrekturaufwand, Wiederholungszahl, Reklamationsrisiko und die Bedeutung der Farbe für die Marke.
Nachhaltigkeit
HKS ist zunächst ein Farbreferenzsystem. Die Umweltwirkung hängt von der konkreten Produktion ab: Farbserie und Rezeptur, Makulatur, Rüst- und Reinigungsaufwand, Restfarben, Bedruckstoff, Weiterverarbeitung und Recyclingfähigkeit. Ein sauberer Freigabeprozess kann Ressourcen sparen, wenn dadurch Fehlproduktionen und unnötige Neudrucke verhindert werden. Ein zusätzliches Sonderfarbwerk kann dagegen mehr Rüst- und Reinigungsaufwand sowie Restfarben verursachen. Die ökologische Bewertung muss deshalb vom tatsächlichen Auftrag ausgehen.
14. HKS-Farben richtig beauftragen
Schritt 1: Produktionsziel bestimmen
Soll eine echte Sonderfarbe eingesetzt oder ein HKS-Ton im Digital- beziehungsweise CMYK-Druck angenähert werden?
Schritt 2: Vollständige Farbbezeichnung angeben
Beispiel: HKS 14 K nach aktueller Fächerausgabe.
Schritt 3: Material festlegen
Papier, Textil, Folie, PVC, Kunststoff und Lackoberflächen benötigen unterschiedliche Prüfungen.
Schritt 4: Druckverfahren klären
Offsetdruck, Siebdruck, Digitaldruck, UV-Druck oder Sublimationsdruck.
Schritt 5: Verbindliche Referenz bestimmen
Möglich sind ein aktueller HKS-Fächer, ein freigegebener Andruck, ein Materialproof, ein Produktionsmuster oder ein Messwert mit vereinbarter Toleranz.
Schritt 6: Machbarkeit prüfen
Die Druckerei sollte feststellen, ob der Zielton mit dem vorgesehenen Verfahren ausreichend genau erreichbar ist.
Schritt 7: Muster produzieren
Besonders wichtig bei Textilien, Backlit-Grafiken, Folien und großen Farbflächen.
Schritt 8: Unter realen Bedingungen beurteilen
Die Beleuchtung sollte der späteren Nutzung möglichst nahekommen.
Schritt 9: Freigabe dokumentieren
Festgehalten werden sollten Fächerausgabe, Material, Drucksystem, Profil, Druckmodus und Freigabedatum.
Schritt 10: Referenzmuster archivieren
Das freigegebene Original erleichtert Nachauflagen und spätere Lieferantenwechsel.
15. Häufige Fragen zu HKS
Was sind HKS-Farben?
HKS ist ein standardisiertes Sonderfarbensystem. Eine HKS-Nummer dient als gemeinsame Referenz zwischen Gestaltung, Auftraggeber und Produktion.
Wofür steht HKS?
HKS steht für Hostmann-Steinberg, Kast + Ehinger und H. Schmincke & Co. Diese drei Hersteller gründeten den HKS-Warenzeichenverband.
Seit wann gibt es HKS?
Der HKS-Warenzeichenverband definiert HKS-Farben seit 1968.
Wie viele HKS-Farben gibt es?
HKS Classic umfasst 88 Basisfarben. HKS 3000+ ergänzt jede Basisfarbe um 39 Nuancen. Zusammen mit den Grundtönen entstehen 3.520 Volltonfarben.
Sind HKS 3000+ K und N zusammen 7.040 Farben?
Nein. HKS 3000+ umfasst 3.520 Farbbezeichnungen, die im K-Fächer auf gestrichenem Papier und im N-Fächer auf Naturpapier dargestellt werden.
Was bedeutet HKS K?
HKS K bezeichnet die Referenz für gestrichenes Kunst- beziehungsweise Bilderdruckpapier.
Was bedeutet HKS N?
HKS N bezeichnet die Referenz für ungestrichenes Naturpapier.
Ist HKS dasselbe wie CMYK?
Nein. HKS ist ein Sonderfarbensystem. CMYK erzeugt Farben aus vier Prozessfarben.
Kann jede HKS-Farbe in CMYK gedruckt werden?
Eine Annäherung ist häufig möglich. Ob sie ausreichend genau ist, hängt von Farbton, Papier, Profil und Druckprozess ab.
Gibt es feste HKS-HEX-Werte?
Nein. HEX-Werte hängen vom zugrunde gelegten RGB-Farbraum, der Referenz und der Umrechnung ab.
Kann HKS in Pantone oder RAL umgerechnet werden?
Nur näherungsweise. Die Systeme verwenden unterschiedliche Referenzen, Materialien und Anwendungsbereiche.
Eignet sich HKS für Textildruck?
Als Zielreferenz ja. Der erreichbare Farbton muss auf dem tatsächlichen Textil und mit dem vorgesehenen Druckverfahren geprüft werden.
Ist eine HKS-Farbe automatisch lichtbeständig?
Nein. Die Beständigkeit hängt von der konkreten Farbserie, dem Material und der Weiterverarbeitung ab.
Verbessert HKS die Markenwiedererkennung?
HKS kann helfen, eine definierte Druckfarbe konsistenter einzusetzen. Wiedererkennung entsteht jedoch erst durch die Verbindung mit Logo, Typografie, Gestaltung und wiederholter Markenkommunikation.
Beeinflusst HKS das Kaufverhalten?
Für einen direkten Einfluss des HKS-Systems auf das Kaufverhalten gibt es keinen Nachweis. Forschung zeigt lediglich, dass Farbe Markenwahrnehmung und Kaufabsicht unter bestimmten Bedingungen beeinflussen kann.
Wann lohnt sich eine echte HKS-Sonderfarbe?
Vor allem bei markenkritischen Hausfarben, großen Volltonflächen und wiederkehrenden Auflagen, wenn eine CMYK-Annäherung nicht genügt.
16. Fazit
HKS ist ein standardisiertes Sonderfarben- und Referenzsystem für die grafische Industrie. Es umfasst 88 klassische Basisfarben und 3.520 HKS-3000+-Farbtöne, die für gestrichenes Papier und Naturpapier dargestellt werden.
Im Offsetdruck kann eine HKS-Farbe als separat angemischte Sonderfarbe eingesetzt werden. Im Digital-, Großformat- und Textildruck dient sie meist als Zielreferenz; das Ergebnis hängt dort von Maschine, Tinten, Profil, Material und Beleuchtung ab.
Der praktische Wert von HKS liegt in klareren Farbvorgaben, nachvollziehbaren Freigaben und besser vergleichbaren Nachauflagen. Eine HKS-Nummer definiert die Farberwartung; Material, Produktionsprozess und Freigabe bestimmen das sichtbare Ergebnis.
Quellen und fachliche Grundlagen
1. HKS-Warenzeichenverband: Fächerset HKS 3000+ (88 Basisfarben, 39 Nuancen, 3.520 Volltonfarben, K/N).
2. HKS-Warenzeichenverband: Farbtafeln K + N (CMYK-Separationen und Offsetbedingungen).
3. H. Schmincke & Co.: DESIGNERs Gouache – Produktbroschüre (HKS-Gründungsunternehmen und Definition der HKS-Farben seit 1968).
4. hubergroup: Fakten & Zahlen (Unternehmenswurzeln seit 1765).
5. hubergroup: Einblicke hubergroup, S. 20 (Produktionsstandort Celle, 1817).
6. H. Schmincke & Co.: About Schmincke (Gründung 1881, Gründer und Sitz).
7. HKS-Warenzeichenverband: HKS Set Klassik (88 Töne, CMYK-Separationen, zwei Metallicfarben).
8. Fogra: TextileRGB 13.006 (Farbkommunikation im digitalen Textildruck).
9. Labrecque, Lauren I.; Milne, George R.: Exciting Red and Competent Blue; DOI 10.1007/s11747-010-0245-y.
10. Ipsos; Jones Knowles Ritchie: Be Distinctive. Everywhere.
Selin ist offiziell seit 2024 Teil des Teams von Displayhersteller.de und bringt frischen Wind sowie ein feines Gespür für Inhalte mit. Als Mediengestalterin mit Schwerpunkt Content Management sorgt sie dafür, dass alle Informationen rund um unsere Produkte strukturiert, ansprechend und informativ aufbereitet sind. Messe-DNA hat sie quasi im Blut – aufgewachsen in einem familiengeführten Messebauunternehmen, kennt sie die Branche von Grund auf. Ihre Mischung aus Textsicherheit und Messeerfahrung macht sie zu einer wertvollen Stimme im Ratgeber von Displayhersteller.de.










